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Monday, 2018-04-23

Lesesport

Lesesport 8


Ernst Jandl: falamaleikum (1966)

falamaleikum
falamaleitum
falnamaleutum
fallnamalsooovielleutum
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Infos

  • Ernst Jandl (1925-2000), Wien, Studium der Germanistik und Anglistik, Gymnasiallehrer. Zusammenarbeit mit Friederike Mayröcker. Ab Ende der 50er Jahre Arbeit mit dem Material Sprache und seinem Missbrauch. Nähe zur „Konkreten Poesie“ und deren Vorläufern im Dadaismus.
  • Das Gedicht falamaleikum ist publiziert in Ernst Jandl, Laut und Luise, Olten 1966, S. 53, von Jandl gesprochen auf Wagenbachs Quartplatte Laut und Luise. Ernst Jandl liest Sprechgedichte.
  • Titel und erste Zeile weisen auf arab. „salamaleikum“ oder hebr. „scholem alechem“, Friede sei mit euch. Die Laute s und f sind medial, z.B. am Telefon, kaum zu unterscheiden. Jandl verwendet in Z. 3 und 4 Wiener Dialekt.

 
Vom Frieden zum Krieg in vier einfachen Schritten?
Z. 1
Welche Möglichkeiten zur Erklärung der lautlichen Abweichung sehen Sie? Was passiert jedenfalls mit dem Friedensangebot?
Z. 2
Welche Gruppe von Möglichkeiten zur Erklärung der Lautabweichung fällt jetzt aus?
Z. 3
Was ist jetzt hinsichtlich der Lautabweichungen klar? Dennoch gibt es noch Alternativen für die Begründung der Veränderungen, eine Alternative auch für die Bedeutung von „umfallen“. Was ist aus dem der Z. 1 vorauszusetzenden Friedensgruß geworden?
Z. 4
Was zeigen die eingeschobenen Wörter „soooviel“ bezüglich des Sprechers? Wie weit wird hier der Rezipient einbezogen?

Die Antwort
Z. 5
An welchem auch in Z. 3 und 4 vorkommenden Wort erkennt man, dass ein anderer Sprecher dem ersten antwortet? Was stellt er bezüglich des Anlasses von „amal umfallen“ klar? Bleibt die Bedeutungsalternative von „umfallen“ erhalten (Aufgabe Z. 3)? Inwiefern unterscheidet der zweite Sprecher sich vom ersten hinsichtlich Grammatik, Argumentation und Distanz vom besprochenen Geschehen? Wodurch bezieht er den Rezipienten ein?
Z. 6
Welche unterschiedlichen Reaktionen werden im Rezipienten provoziert je nachdem er „umfallen“ verstanden hat? Wie kann der Hörer den Sprecher verstehen, der dies behauptet?
Z. 7
Wie unterscheidet sich die Provokation in Z. 7 von der in Z. 6, inhaltlich und hinsichtlich der Reaktion des Rezipienten? Als was kann der Hörer den Sprecher einschätzen, der so fragt? Wie wird er sich selbst einschätzen, wenn/da er nicht gleich in Z. 1 gegen die Deformation des Friedensangebots protestiert und in Z. 4 dem Sprecher nur zugehört hat? Blicken Sie auf die sieben Zeilen zurück: Wozu bildet Jandl Sie und im Prinzip jeden Hörer oder Leser?