Leben und Zeit / Freundschaften
Deutsch
English
Français
Español
Italiano

Susette Gontard

Susette Gontard
Susette Gontard

Als Hölderlin zur Jahreswende 1795/96 eine neue Stelle als Hofmeister bei der Familie Gontard in Frankfurt antrat, verliebte er sich in Susette Gontard, die Mutter seines Zöglings.

Die Gontards waren hugenottische Immigranten, die im Wollhandel und mit Bankgeschäften reich geworden waren. Jacob Gontard, der Vater seines Schülers, spielte eine wichtige Rolle in Frankfurts Patriziat.

Susette Gontard, eine sensible, faszinierende und kluge Frau, die in dem zeremoniellen Rahmen des bourgeoisen Frankfurter Gesellschaftsleben emotional und intellektuell völlig unterfordert war, wurde zum Maßstab Hölderlins "Schönheitssinn" und von ihm als "Diotima" zur irdischen Zeugin des Göttlichen und einer schöneren geschichtlichen Zukunft, im "Hyperion"-Roman und in der Lyrik stilisiert.

Auf der einen Seite stand die Hausherrin, die mit Hölderlin in einer geheimen eigenen Welt lebte, beschäftigt mit Kunst, Erziehung, dem Erlebnis der Natur und erfüllt von ihrer Liebe, auf der anderen Seite der ungeliebte Ehemann, der Bourgeois mit der Devise: "Les affaires avant tout". Der endgültige Bruch mit der Familie Gontard war unvermeidlich. Andeutungen in Susettes Briefen an Hölderlin lassen auf einen Auftritt mit Jakob Gontard schließen - fest steht, dass Hölderlin Ende September 1798 Frankfurt und den Gontardschen Haushalt verließ und nach Homburg vor der Höhe zog.

Susette Gontard stirbt am 22. Juni 1802 in Frankfurt/Main.