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Montag, 24.11.2014

Lesesport

Lesesport 7


Rainer Maria Rilke: Durch den sich Vögel werfen (1924)

Durch den sich Vögel werfen, ist nicht der
vertraute Raum, der die Gestalt dir steigert.
(Im Freien, dorten, bist du dir verweigert
und schwindest weiter ohne Wiederkehr.)

Raum greift aus uns und übersetzt die Dinge:             5
daß dir das Dasein dieses Baums gelinge,
wirf Innenraum um ihn, aus jenem Raum,
der in dir west. Umgib ihn mit Verhaltung.
Er grenzt sich nicht. Erst in der Eingestaltung
in dein Verzichten wird er wirklich Baum.                10


Infos

  • Rainer Maria Rilke (1875-1926), vgl. Lesesport 6. Ergänzung: 1912/13 und 1922 entstanden die Duineser Elegien, bedeutendes Hauptwerk, in dem Rilke den Sinn menschlicher Existenz in der Transformation der Welt in „Weltinnenraum“ durch die Sprache erarbeitet, um dem Schwinden des Menschlichen und Dinglichen in der technisierten Welt entgegen zu wirken. Das Gedicht ist eine Art Zusammenfassung.
  • dorten: Pragerdeutsche und österreichische Form für „dort“.
  • west: Eine auch bei Heidegger gebrauchte Wiederbelebung des Infinitivs und Präsens „wesen“ für „sein, anwesend und lebendig sein“.

 
Zeilen 1-4
1
Charakterisieren Sie den nicht „vertrauten Raum“, im Gegensatz dazu den „vertrauten Raum“. Was leisten beide Räume hinsichtlich des angeredeten Du und der Gestalt (des Du? des Dings?)?
2
Was sagt es über die Vögel, über den Sprecher und das Du aus, dass Vögel sich durch den Außenraum „werfen“?
3
Was sagt es über Sprecher und Du aus, dass „du dir verweigert“ bist im Freien? Gibt es jemanden, der diese Verweigerung ausspricht oder erzwingt? Wie hat die Verweigerung mit dem Schwinden (Abnehmen an Leben, Kraft, Geist etc.) zu tun?

Zeilen 5-10
4
Nach dem Negativ-Raum von Z. 1f.: Identifizieren Sie in Z. 6-10 vier Benennungen oder Charakterisierungen von Raum-Arten. Nehmen Sie Z. 5 vorläufig aus (Aufgabe 10).
5
Beschreiben Sie die Entwicklung in der Reihe dieser Raum-Arten. Was ergibt sich daraus für den Begriff des „Innenraums“?
6
Stellen Sie die Reihe der fünf Tätigkeiten des „Du“ in Z. 6-10 auf.
7
Welche Entwicklung zeigt sich in dieser Reihe? Nehmen Sie vorläufig Z. 5 aus.
8
Wenn „das Dasein dieses Baums“ eine gelingende oder misslingende Leistung des Du ist: worin besteht nach Z. 9f. die Leistung? Warum ist sie nötig? Was heißt dann „wirklich“?
9
Wie stellt sich Rilke den Baum nach der „Eingestaltung in dein Verzichten“ vor; wie und wo werden die Formen und Außenseiten des Baums gebildet, wenn der sich nicht „grenzt“?
10
An zentraler Stelle steht statt „du“ ein „uns“: erläutern Sie die Sonderstellung der Zeile gegenüber Z. 6-10 in vier Hinsichten: Sprecher, Raumcharakterisierung (vgl. Aufgabe 4 und 5), Tätigkeiten (vgl. Aufgabe 6 und 7) und Sprechakt.
11
Wer/was ist nach Aufgabe 9 an der Konstruktion des Baums beteiligt? Analysieren Sie unter dieser Voraussetzung die Formulierung „Durch den sich Vögel werfen“. An welchem Punkt der zwischen Z. 6 und 10 angegebenen Entwicklung steht der Sprecher?
12
Welche Funktion hat Z. 5, welche die Formulierung „Durch den sich Vögel werfen“?
13
Vergleichen Sie ggf. mit Ihrem Ergebnis Rilkes 9. Duineser Elegie, insbesondere Z. 31-35.