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Mittwoch, 23.07.2014

Zur Geschichte des Hölderlin-Museums

Neckar und Hölderlinturm

Die Anfänge des Hölderlin-Museums im Turm sind eng mit der Familie Eberhardt verbunden. Schon vor dem Brand hatte "die alte Eberhardte" Besucher in das an Studenten vermietete "Rundel" geführt. Nach dem Neuaufbau aber gab Fritz Eberhardt, der Sohn, das mit zeitgenössischen Möbeln ausgestattete untere Turmzimmer als "Hölderlins Zimmer" aus. Als er 1915 durch Anzeigen in der Presse versuchte, die angeblichen Möbel Hölderlins zu verkaufen, mietete die Stadt den Raum, den Eberhardt als "Gedenkraum" weiterhin verwaltete.

1921/22 verkaufte Fritz Eberhardt das Haus an die Stadt, behielt jedoch dort seine Wohnung. Die "Vereinigung zur Erhaltung des Hölderlinturms" leistete durch einen überregionalen Spendenaufruf einen erheblichen Beitrag zum Kaufpreis. Dafür wurde ihr der Gedenkraum überlassen, der bis zum Tod Eberhardts 1944 im wesentlich unverändert blieb.
Nach den Einquartierungen in der Zeit der größten Wohnungsnot übernahm die nach dem Krieg neugegründete Hölderlin-Gesellschaft als Rechtsnachfolgerin der "Vereinigung" 1954 das ganze Erdgeschoß für ihre Geschäftsstelle und eine kleine Ausstellung. "Hölderlin-Zimmer" blieb bis 1978 das untere Turmzimmer. Erst dann konnte das wirkliche Rundel im ersten Obergeschoß in eine erweiterte Ausstellung einbezogen werden, die im Marbacher Magazin "Hölderlin in Tübingen" von Werner Volke dokumentiert ist.
Da auch diese Verbesserung wegen der ungünstigen Ausstellungsverhältnisse nicht befriedigten, entschlossen sich Stadt und Hölderlin-Gesellschaft zu einer gründlichen Renovierung des Hauses. Dieser Plan konnte 1984 mit der großzügigen Hilfe der Robert-Bosch-Stiftung und der Stadt Tübingen verwirklicht werden. Dabei korrigierte man die durch den Neubau von 1876 geschaffenen Veränderungen dort, wo es sinnvoll erschien. Durch die Rückverlegung der Treppe gelangt der Besucher nun wieder wie zu Hölderlins Zeit ins Rundel. Auf eine Verkürzung dieses Gedenkraums entsprechend seiner ursprünglichen Ausdehnung wurde jedoch verzichtet, weil seine polygonale Form ohnehin nicht wieder herzustellen war. Der Turm sollte so bleiben, wie er als "Hölderlin's Thurm" bekannt war und ist. Allerdings ist das Rundel nun leer, bis auf zwei Stühle, die vielleicht aus dem Haus stammen. Späteste Gedichte Hölderlins erinnern an den, der 36 Jahre hier lebte.

Die Ständige Ausstellung "Hölderlin in Tübingen"

Die Ständige Ausstellulng wurde von der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, Marbach, eingerichtet und im Januar 1985 mit dem neugestalteten Haus feierlich eröffnet. Ihre drei Abteilungen geben einen Überblick über Hölderlins Studentenjahre im Tübinger Stift (1788-1793), seinen zweiten Tübinger Aufenthalt im Klinikum und bei Ernst Zimmer im Turm (1807-1843), sowie über das Schicksal und die Wirkung seines Werkes bis in die Gegenwart.

Raum I

Zeitgenössische Beschreibungen und Darstellungen der Stadt Tübingen und des Stifts. Offizielle Studiendokumente Hölderlins. Briefe des Studenten an die Familie. Materialien zu den Freundschaften im Stift (Magenau, Neuffer), zu den literarischen Vorbildern (Schubart) und den Förderern (Stäudlin, Schiller).

Raum II

Rezepte und Rechnungen zu Hölderlins Klinikaufenthalt. Zeitgenössische Darstellungen des Klinikums und des Hölderlinturms. Briefe und Quittungen Ernst Zimmers an Hölderlins Mutter und Amtspfleger Burk. Späte Gedichte Hölderlins in Autographen und in Abschriften Mörikes. Dokumente zu den Besuchern im Turm (Karl Mayer, Mörike, Waiblinger). Hölderlin in der Literatur des 19. Jahrhunderts als der "Wahnsinnige Dichter". Die ersten Ausgaben von 1826 und 1846.

Raum III

Der Beginn der wissenschaftlichen Hölderlin-Forschung und die ersten historisch-kritischen Ausgaben (Hellingrath, Zinkernagel). Die Entstehung der Stuttgarter Ausgabe. Dokumente zum Hölderlin-Archiv und zur Hölderlin-Gesellschaft während des Krieges und nach 1947. Materialien zur Frankfurter Ausgabe. Aktuelle Beispiele für Hölderlins Wirkung in der Literatur der Gegenwart.